Eine frühe, schwere fetale Wachstumsretardierung (FGR) kann viele unterschiedliche Ursachen haben. Eine davon wird in der Pränataldiagnostik oft erst spät in Betracht gezogen: Imprintingstörungen und uniparentale Disomien (UPDs).
Genau dieses Thema hat unser Kollege PD Dr. med. Andreas Dufke beim diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin (DGPGM) in Stuttgart anhand eines anschaulichen Fallbeispiels aus der Praxis in einem Poster vorgestellt.
Der Fall Bei einer Schwangeren zeigte sich im zweiten Trimenon ein zu kleiner Fetus (< P1). Karyotypisierung und array-CGH-Analyse blieben unauffällig – ein häufiges Szenario, das die diagnostische Suche zunächst ins Leere laufen lässt.
Erst die Trio-Exom-Analyse brachte die entscheidende Erkenntnis: eine maternale Isodisomie 20 [iUPD(20)mat]. Die Diagnose lautete: Mulchandani-Bhoj-Conlin-Syndrom.
Hintergrund: Warum eine UPD zur Erkrankung führt Ursächlich für das Syndrom ist eine Fehlregulation am GNAS-Locus. Dieser Genlocus funktioniert nur korrekt, wenn er biparental – also sowohl von mütterlicher als auch von väterlicher Seite – vererbt wird. Liegt stattdessen eine uniparentale Disomie vor, wie im beschriebenen Fall, gerät die Genexpression aus dem Gleichgewicht, mit entsprechenden Auswirkungen auf die fetale und postnatale Entwicklung.
Take-Home-Message für die Praxis Bei früher, unklarer fetaler Wachstumsretardierung ohne erkennbare plazentare Ursache lohnt sich der Blick über Karyotyp und array-CGH hinaus:
- Die Trio-Exom-Analyse kann uniparentale Disomien aufdecken.
- Wird eine UPD ausgeschlossen, liefern zusätzliche Methylierungsanalysen wichtige weiterführende Hinweise.
Eine konsequente genetische Abklärung kann so entscheidend zur Diagnosestellung beitragen – mit wichtigen Implikationen für Prognose und Beratung der betroffenen Familien.