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Fälle aus der medizinischen Praxis

PFIC – eine seltene Lebererkrankung, die öfter übersehen wird als gedacht

Was ist PFIC?

PFIC ist eine Gruppe genetisch bedingter Lebererkrankungen, die auf Störungen des hepatozellulären Transportsystems oder der Stabilität der kanalikulären Membran zurückgehen. Gemeinsames Leitsymptom ist die Cholestase begleitet von Pruritus, erhöhten Serumgallensäuren sowie Zeichen einer fortschreitenden Lebererkrankung wie Fibrose. Was die Erkrankung diagnostisch herausfordernd macht: Das klinische Bild ist ausgesprochen variabel. Der Verlauf kann episodisch oder schleichend sein, Symptome treten mitunter erst nach einem spezifischen Auslöser auf - etwa nach einer Schwangerschaft, einem Infekt oder der Einnahme bestimmter Medikamente.

Klassisch manifestiert sich PFIC im Säuglings- oder frühen Kindesalter. Inzwischen ist jedoch gut belegt, dass Spätmanifestationen im Jugend- und Erwachsenenalter vorkommen mit teils oligosymptomatischem Verlauf über Jahre. Für die gastroenterologische Praxis bedeutet das: PFIC sollte bei unklarer Cholestase auch bei erwachsenen Patient:innen auf dem diagnostischen Radar bleiben, selbst wenn keine typische Kindheitsanamnese vorliegt.

13 Gene, ein Spektrum

Derzeit sind mindestens 13 Gene als Grundlage unterschiedlicher PFIC-Subtypen identifiziert und es ist davon auszugehen, dass künftig weitere beschrieben werden. Die bekanntesten und am besten untersuchten Subtypen sind PFIC1, PFIC2 und PFIC3:

PFIC1 (Gen: ATP8B1, Protein: FIC1) manifestiert sich typischerweise im Säuglingsalter mit moderatem Verlauf. Neben der hepatischen Symptomatik kann z. B. Hörverlust auftreten.

PFIC2 (Gen: ABCB11, Protein: BSEP) zeigt meist einen schnellen Verlauf mit ausgeprägtem Pruritus und stark erhöhten Serumgallensäuren. Das Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom (HCC) kann erhöht sein.

PFIC3 (Gen: ABCB4, Protein: MDR3) ist durch einen variablen Krankheitsbeginn gekennzeichnet (von der Säuglingszeit bis ins Erwachsenenalter) und kann ebenfalls mit einem erhöhten HCC-Risiko einhergehen.

Darüber hinaus sind weitere Subtypen (PFIC4–13) beschrieben, mit Beteiligung von Genen wie TJP2, NR1H4, SLC51A, MYO5B, KIF12, ZFYVE19, SEMA7A, VPS33B und PSKH1. Die Krankheitsverläufe reichen von sehr schnell progredient (z. B. möglich bei PFIC5) bis langsam und variabel. Einige Subtypen gehen mit extrahepatischen Manifestationen einher: etwa Hörverlust (PFIC1, PFIC7), neurologischen Symptomen (PFIC10) oder durch Vitamin-K-Mangel unabhängige Gerinnungsstörungen (PFIC5).

Historisch wurde PFIC als autosomal-rezessive Erkrankung eingestuft, bei der Betroffene biallelische pathogene Varianten im selben Gen tragen – homozygot oder compound-heterozygot. Heute ist bekannt, dass bei milderen bzw. adulten Phänotypen auch einzelne heterozygote Varianten klinisch relevant sein können, was die Interpretation genetischer Befunde zusätzlich komplex macht.

Wann und wie oft testen?

Angesichts der genetischen Heterogenität und der variablen Klinik empfiehlt sich ein niedrigschwelliger Einsatz der molekulargenetischen Diagnostik. Konkret gilt: Bei Patient:innen mit unklarer Cholestase, unabhängig vom Manifestationsalter, sollte ein Gentest in Betracht gezogen werden, wenn keine andere Ursache gesichert ist.

Wichtig: Ein initial unauffälliges Ergebnis schließt eine genetische Ursache nicht endgültig aus. Da das Wissen um PFIC-assoziierte Genvarianten kontinuierlich wächst und Panelzusammensetzungen laufend aktualisiert werden, ist eine regelmäßige Wiederholung der Diagnostik, etwa im Jahresabstand, bei weiterhin ungeklärter Cholestase sinnvoll.  Eine heute als unklar eingestufte Variante kann durch neue funktionelle oder klinische Daten künftig anders bewertet werden.

Therapie ist möglich

Die Diagnose PFIC ist heute nicht mehr gleichbedeutend mit therapeutischer Ratlosigkeit: Mit IBAT-Inhibitoren (ileale Gallensäuretransporter-Inhibitoren) stehen zugelassene medikamentöse Optionen zur Verfügung, die neue Perspektiven für Betroffene eröffnen können. Eine gesicherte genetische Diagnose kann bei der Therapieentscheidung helfen.  

Autorin
Dr. med. Laura von der Heyden
Ärztin & Geschäftsführerin 


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