Fehlgeburten / Kinderwunsch

Wenn der Kinderwunsch Fragen aufwirft

1 von 10 Paaren in Deutschland ist ungewollt kinderlos

Bleibt eine Schwangerschaft aus oder kommt es wiederholt zu Fehlgeburten, können unterschiedliche Ursachen dahinterstehen. 
In manchen Fällen spielen genetische Veränderungen eine Rolle. Eine genetische Beratung und gezielte Diagnostik können helfen, 
mögliche Ursachen zu erkennen und die nächsten Schritte fundiert zu planen.

Zwei Situationen, eine gemeinsame Frage.

Kann die Genetik eine Rolle spielen?

Unerfüllter Kinderwunsch
Eine Schwangerschaft bleibt trotz Kinderwunsch aus. Neben vielen anderen Ursachen können auch genetische Faktoren die Fruchtbarkeit von Frau oder Mann beeinflussen.

Wiederholte Fehlgeburten
Fehlgeburten entstehen häufig durch zufällige Veränderungen. Treten sie wiederholt auf, kann eine Abklärung möglicher Ursachen sinnvoll sein, dazu gehören auch genetische Faktoren.

Manchmal liegt die Antwort in den Chromosomen. Oder in einzelnen Genen.

 

Genetische Veränderungen können die Fruchtbarkeit, die Entwicklung von Ei- und Samenzellen oder die frühe embryonale Entwicklung beeinflussen. Manche Veränderungen bleiben bei den betroffenen Personen selbst vollkommen unbemerkt.

Genetische Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Deshalb richtet sich die Diagnostik immer nach Ihrer persönlichen Situation und den bisherigen Befunden.

Eine genetische Abklärung kann sinnvoll sein bei:

  • Wenn über einen längeren Zeitraum keine Schwangerschaft eintritt.

  • Wenn es wiederholt zu Schwangerschaftsverlusten kommt.

  • Zum Beispiel bei Auffälligkeiten der Eizellreifung, der Eierstockfunktion oder des Spermiogramms.

  • Wenn genetische Erkrankungen oder Chromosomenveränderungen bei einem Partner oder in der Familie bekannt sind.

Welche genetische Diagnostik kann sinnvoll sein?

Unauffälliges Spermiogramm und trotzdem keine Schwangerschaft?

Nicht jede Funktionsstörung von Spermien ist im klassischen Spermiogramm sichtbar.

Ein Beispiel ist CatSper, ein für die Spermienfunktion wichtiger Ionenkanal. Ist seine Funktion gestört, können Spermien Schwierigkeiten haben, die Eihülle zu überwinden – 
obwohl Anzahl, Form und Beweglichkeit der Spermien im konventionellen Spermiogramm unauffällig erscheinen.

 

1 von 100 Männern mit ungewollter Kinderlosigkeit und unauffälliger Samenanalyse
weist nach aktuellen Studien einen Funktionsverlust von CatSper auf.

 

Bei einer CatSper-bedingten Infertilität können sich daraus Konsequenzen für die Wahl der Kinderwunschbehandlung ergeben. 
Während IUI und konventionelle IVF die zugrunde liegende Funktionsstörung nicht überwinden, kann eine ICSI eine Behandlungsoption darstellen.

Wenn eine Schwangerschaft wiederholt endet

Mehr als die Hälfte aller Fehlgeburten entsteht durch zufällige Chromosomenstörungen des Embryos. 
Treten Fehlgeburten wiederholt auf, können jedoch auch andere Ursachen eine Rolle spielen und eine weiterführende Abklärung sinnvoll sein.
15–20 % der medizinisch bestätigten Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt. Ab 2 Fehlgeburten kann eine sorgfältige Abklärung möglicher Ursachen sinnvoll sein.

Chromosomale / genetische Ursachen
Mehr als die Hälfte aller Fehlgeburten entsteht durch meist zufällige Chromosomenstörungen des Embryos. Bei etwa 5 % der Paare mit wiederholten Fehlgeburten liegt bei einem Partner eine vererbbare Chromosomenveränderung vor, z. B. eine Translokation.

Organische Ursachen
Fehlbildungen der Gebärmutter oder Myome können die Einnistung oder Entwicklung einer Schwangerschaft beeinträchtigen. Welche Untersuchungen sinnvoll sind, sollte individuell gynäkologisch abgeklärt werden.

Hormonelle / Stoffwechsel-Ursachen
Hormon- und Stoffwechselstörungen können den Schwangerschaftsverlauf beeinflussen. Dazu zählen beispielsweise Erkrankungen der Schilddrüse, ein schlecht eingestellter Diabetes oder bestimmte seltene Autoimmunerkrankungen.

Gerinnungs- und weitere medizinische Ursachen
Bestimmte Störungen der Blutgerinnung können die Durchblutung und Funktion der Plazenta beeinträchtigen. Sie können sowohl genetisch bedingt als auch im Laufe des Lebens erworben sein.

 

Wissen schafft Möglichkeiten 

Wird eine genetische Ursache gefunden, besprechen wir mit Ihnen, was der Befund konkret bedeutet 
und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben. Je nach Ursache können sich beispielsweise Konsequenzen für 
die Kinderwunschbehandlung, eine weiterführende Diagnostik oder die Familienplanung ergeben.

In 4 Schritten zu Ihrer genetischen Diagnostik

Genetische Sprechstunde

Wir besprechen Ihre persönliche Situation, Familiengeschichte und den für Sie passenden Untersuchungsumfang.

Probenentnahme

Im Anschluss kann die für die genetische Diagnostik benötigte Probe entnommen werden.

Laboranalyse

Wir untersuchen Ihre Gene in unserem Labor

Ergebnisbesprechung

Sie erhalten einen medizinisch eingeordneten Befund. Bei einem relevanten Ergebnis besprechen wir gemeinsam die möglichen nächsten Schritte.

FAQs zum Thema Fehlgeburten & Kinderwunsch

  • Wenn möglich, führen wir grundsätzlich bei beiden Partnern eine Chromosomen-Analyse aus Blut durch.
     
    Wenn eine Frau Hinweise auf eine vorzeitige Erschöpfung der Eierstöcke (ovarielle Erschöpfung / POF) zeigt, führen wir eine Untersuchung auf Anlageträgerschaft für das Fra-X Syndrom durch. Dieses stellt eine der häufigsten Ursachen für eine erblich bedingte geistige Behinderung des Kindes, insbesondere im männlichen Geschlecht, dar.

    Bei Störungen der Spermienbildung untersuchen wir je nach Auffälligkeit das Erbgut des Mannes auf ursächliche Veränderungen. So haben Kinder von Männern mit einem vollständigen Fehlen von Spermien möglicherweise ein deutlich erhöhtes Risiko, an Mukoviszidose zu erkranken. Eine der häufigsten angeborenen Stoffwechselerkrankungen, die insbesondere Lunge und/oder Bauchspeicheldrüse betrifft. Dieses Risiko sollte vor einer geplanten Kinderwunschbehandlung ausgeschlossen bzw. erkannt werden.

    Um eine mögliche Anlageträgerschaft für ein Vielzahl von genetischen Erkrankungen abzuklären, kann ggf. ergänzend ein Carrier-Screening durchgeführt werden. Bitte beachten Sie: Das Carrier-Screening wird nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, steht Ihnen jedoch jederzeit als Selbstzahlerleistung zur Verfügung.

  • Mehr als die Hälfte aller Fehlgeburten gehen auf eine Chromosomenstörung beim Embryo zurück. In den meisten Fällen ist diese das zufällige Ergebnis der komplexen Vorgänge rund um die Befruchtung. Treffen bei der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle Zellen aufeinander mit überzähligen oder fehlenden Chromosomen aufeinander – kann sich der Embryo in den meisten Fällen nicht weiterentwickeln. Es kommt zu einer Fehlgeburt, die im Falle eines sehr frühen Auftretens möglicherweise nur zu einer scheinbar verzögerten und verstärkten Regelblutung führt.

    Bei etwa fünf Prozent der Paare mit gehäuften Fehlgeburten liegt eine vererbbare Störung vor. So können im Erbgut eines der beiden Partner kleine Abschnitte der Chromosomen untereinander ausgetauscht (sog. Translokationen) sein. Für den Träger dieser Veränderung hat das keine Folgen: Er ist körperlich und geistig gesund. Doch bei der Aufteilung der Chromosomen in Samen- bzw. Eizelle und der späteren Befruchtung treten womöglich Fehlkombinationen auf, die zum Absterben der Frucht im Verlauf oder zu Fehlentwicklungen beim Kind führen.

    Darüber hinaus gibt es weitere Ursachen für gehäufte Fehlgeburten:

    • Störungen der Blutgerinnung: Sie beeinträchtigen die Durchblutung der Plazenta und stören deren für das Ungeborene lebenswichtige Funktionen.   Hier können verschiedene Gerinnungsstörungen zugrunde liegen, ein Teil hiervon ist genetisch bedingt, ein Teil erworben.
    • Organische Ursachen: Angeborene Fehlbildungen der Gebärmutter können für den Embryo so ungünstige Wachstumsbedingungen bedingen, dass er abstirbt. Auch Myome (gutartige Tumoren der Gebärmuttermuskulatur) stehen unter Umständen einer gesunden Entwicklung im Weg. Ob eine (und welche) Untersuchung sinnvoll ist, sollte gemeinsam mit dem betreuenden Frauenarzt besprochen werden.
    • Stoffwechsel- und Immunerkrankungen: Als weitere Risikofaktoren für die gesunde Entwicklung einer Schwangerschaft kommen Hormonstörungen in Frage, die durch Fehlfunktionen von Schilddrüse, Hypophyse und Eierstöcken ausgelöst werden. Auch ein unbehandelter oder schlecht eingestellter Diabetes sowie einige seltene Autoimmunkrankheiten können Gründe für gehäufte Fehlgeburten sein.
  • Chromosomen sind die Strukturen in den Zellkernen, die unser Erbgut tragen. Rund 20 000 Gene sind auf 46 Chromosomen verteilt – präziser: auf 23 Chromosomen-Paaren mit je zwei sich entsprechenden Chromosomen. In den Zellkernen von Männern gibt es ein ungleiches Paar: Bei ihnen sind die Geschlechts-Chromosomen nicht identisch. Männer tragen in ihren Zellen ein sogenanntes X- und ein Y-Chromosom. Bei Frauen sind es zwei X-Chromosomen.

    Neben einer Veränderung der Geschlechtschromosomen kann auch eine reziproke Chromosomentranslokation (ausgeglichener Stückaustausch) der Grund für eine Fruchtbarkeitsstörung sein. Dabei sind kleine Abschnitte der Chromosomen wechselseitig ausgetauscht. Dies hat zwar keine Folgen für die körperliche und geistige Gesundheit des betroffenen Partners, aber bei der Bildung von Ei- oder Samenzelle und der damit verbundenen Aufteilung der Chromosomen kann es zu Fehlkombinationen kommen. Eine Befruchtung ist dann zwar möglich, doch häufig ist bereits die früheste embryonale Entwicklung gestört und die befruchtete Eizelle nistet sich nicht in der Gebärmutter ein.

  • Von Unfruchtbarkeit (Infertilität / Subfertilität) spricht man, wenn ein Jahr nach Absetzen von Verhütungsmitteln keine Schwangerschaft eingetreten ist. Spätestens dann sollten die Partner sich untersuchen lassen. Das ermöglicht, Störungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln. Außerdem: Je mehr Zeit verstreicht, desto mehr Stress baut sich bei den Partnern auf. Psychischer Druck wirkt sich negativ auf die Beziehung und die Fruchtbarkeit aus.

  • Bei Nachkommen von Paaren mit einer Fruchtbarkeitsstörung besteht generell ein leicht erhöhtes Basisrisiko für angeborene Behinderungen. Wenn als Ursache für die Fruchtbarkeitsstörung z.B. eine Chromosomenveränderung, eine Überträgerschaft für ein Fragiles X-Syndrom oder eine Überträgerschaft für die Cystische Fibrose festgestellt wird, kann das Risiko für eine genetisch bedingte Behinderung des Kindes auf bis zu 50 % ansteigen. Darum ist es wichtig, die Ursachen zu kennen – so können im Rahmen der Kinderwunsch-Behandlung oder durch eine sorgfältige vorgeburtliche Begleitung mit pränataler Diagnostik die bestmöglichen Maßnahmen ergriffen werden.

  • Die genetische Sprechstunde ist eine Gesundheitsleistung, die bei entsprechender Indikation von den Krankenkassen übernommen wird. Sollten Sie sich bezüglich Ihrer Indikation unsicher sein, fragen Sie einfach bei uns nach. Gesetzlich Versicherte können mit ihrer Versichertenkarte oder mit Überweisungsschein zum Beratungsgespräch kommen. Privat versicherte Patienten können vorab einen Kostenvorschlag zur Einreichung bei ihrer Krankenkasse anfordern.

Weitere relevante Untersuchungen

Sie möchten zusätzlich vorsorgen? Das Carrier Screening ermöglicht Ihnen und Ihrem/r Partner/in vorab klären, ob Sie unbemerkt Anlageträger einer vererbbaren Erkrankung sind. Das betrifft nicht nur Familien mit bekannten Erkrankungen: Statistisch trägt jeder Mensch mehrere solcher Anlagen in sich, ohne selbst betroffen zu sein, 

meist unbemerkt, da man selbst gesund bleibt. Erst wenn beide Partner dieselbe Anlage tragen, kann es für ein gemeinsames Kind relevant werden. Das Carrier Screening gibt Ihnen frühzeitig Klarheit, für eine informierte Familienplanung und die passenden nächsten Schritte.

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